#article_ Neue (Beamten-)Lehrer für Sachsen

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Gesellschaft

Momentan ist ja das Lehrer-Thema überall präsent, insbesondere in den ostdeutschen Bundesländern wie z.B. Berlin/Brandenburg und Sachsen. Zum einen gibt es von den benötigten Lehrern hier nicht genug und zum anderen will man nun aus der Not des Lehrermangels heraus in Sachsen die Möglichkeit der Lehrer-Verbeamtung bis zum Alter von 42 Jahren einführen.

Den ersten Punkt werde ich wohl nie verstehen. Warum ist es nicht möglich, mit einem Planungshorizont von 6 Jahren (Geburt bis Einschulung) inkl. der üblichen Einwohnerwachstumsraten einen entsprechenden Lehrerbedarf zu prognostizieren? Schulen wurden in den letzten Jahren geschlossen und abgerissen, die nun wieder neu aufgebaut werden müssen. Junge Lehrer-Absolventen wurden gezwungen in anderen Ländern ihr Berufsglück zu finden, obwohl absehbar war, wohin das ganze läuft. Ich glaube, hier sollten sich die staatlichen Planungsinstitutionen für ihre zukünftigen Prognosen mal externe professionelle Unterstützung suchen.

Aber vielleicht unterstelle ich zu Unrecht Unfähigkeit und die bisherigen sächsischen Kultusminister sind, egal wie kurz sie im Amt waren, cleverer als ich dachte. Wenn man das Ergebnis der Eskalation sieht, dann ist da doch gar nicht mal so wenig für die Schulen und Lehrer rausgekommen. Mittlerweile wird ja wild jeder als Lehrer eingestellt, der sich dafür bewirbt und irgendwann mal irgendwas mehr oder weniger erfolgreich studiert hat. Da werden sicher ein paar Leute aufgefangen, die sich bisher nur schwer am Arbeitsmarkt entsprechend ihrer Ausbildung etablieren konnten (nein, ich nenne keine Beispiele). Also findet hier schonmal eine Entlastung des Arbeitsmarktes statt (es werden Arbeitsplätze frei für Leute ohne Studium) und die neu eingestellten Lehrer bekommen nun endlich auch adäquate Entlohnung für ihren Studienabschluss (ob leistungsgerecht wird sicher wie überall sehr individuell zu bewerten sein). Zum anderen wird nun endlich das Beamtentum auch für sächsische Lehrer eingeführt, was ohne diese Krise und Eskalation niemals irgendein Kultusminister geschafft hätte. Und selbst wenn dieses nur für unter 42-jährige möglich ist, so wird es für die Gehälter der „älteren“ Lehrer mit Sicherheit auch noch eine Lösung nach oben geben (https://www.freiepresse.de/nachrichten/sachsen/neue-gehaltsstufe-fuer-aeltere-lehrer-artikel10289584). Außerdem bekommen die Schulen nun vermutlich so viele Lehrer, wie sie sich schon immer gewünscht haben.

Vielleicht muss man sich die Vorgehensweise auch für eigene (meist berufliche aber vielleicht ja auch private Problem-Themen) merken. Lasse etwas so lange gegen die Wand fahren bis der point-of-no-return erreicht ist und stelle dann Forderungen, die den Aufprall verhindern sollen.
Die Frage, ob der Aufprall wirklich verhindert wird, kann man sicher erst in ein paar Jahren beantworten. Ob die ganzen Neu-Lehrer in Zukunft wirklich noch glücklich mit ihrer eher spontanen Jobwahl sind, muss sich zeigen. Wobei hier die Unzufriedenheitsrate vielleicht gar nicht höher sein wird, als bei den heutigen „echten“ Lehrern.

Wie werden sich die teilweise ja tatsächlich sehr rudimentär ausgebildeten Neu-Lehrer auf das Bildungsniveau unserer Kinder auswirken?! Es wäre ja fast bedenklich, wenn sich keine negativen Auswirkungen ergeben. Denn das hieße ja, dass das bisherige Lehrer-Studium gar nicht notwendig ist?! Wie werden die „echten“ Lehrer beweisen, dass dem nicht so ist und die Neu-Lehrer gar nicht so gut sein KÖNNEN wie sie selber?! Und wie wird sich dies und die gleiche Bezahlung bzw. sogar die Besserstellung durch die Verbeamtung von den Neu-Lehrern langfristig auf den sozialen Frieden zwischen diesen beiden Lehrergruppen auswirken?!

Die Fragen bzw. die daraus möglicherweise folgenden Konsequenzen scheinen mir dann doch eher gegen die (zugegebenermaßen von mir konstruierte) Cleverness der Kultusminister zu sprechen. Und vielleicht ist es doch cleverer, wenn man staatliche Institutionen weniger wie Unternehmen führt (Headcount, Einsparziele, etc.), sondern einfach strikt nach den notwendigen Maßnahmen zum Nachkommen des Bildungsauftrages handelt (was Effizienz nicht ausschließt). Es steht global gesehen zu viel auf dem Spiel!

Der Autor

Systemisches - Denken - Wirtschaften

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