Kann aus Zufall Kunst entstehen?

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Heartattack

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Vor einigen Tagen ist etwas passiert, etwas entstanden, womöglich außergewöhnlich und zufällig aber vor allem nachhaltig. Ich möchte nicht von hinten anfangen (manchmal passiert mir das aus Gründen von Überschwänglichkeit). Ich kam zu diesem digitalen Bild, es passierte mir, flatterte mir entgegen. Ich hatte keine weiteren Informationen dazu, außer dem Wissen über dem Fotografen und dass ihm quasi dieses Bild „passierte“. Und schon allein der Fakt, dass sowas passiert hat mich beeindruckt.

Warum schreibe ich dazu? Einem Foto oder doch sogar mehr als einem Foto? Ich habe mich nun Stunden später und den Tag darauf immer wieder dabei ertappt, mir dieses Bild anzuschauen, ein snapshot und normalerweise tue ich das schon sehr bewusst aber diesmal kam mehr hinzu noch nicht wissend weshalb. Und der Gedanke, dass mich dieses Bild beschäftigt, brachte mich unweigerlich dazu, weiter darüber nachzudenken, es auseinanderzunehmen, ein wenig damit zu spielen und zu analysieren.
Der Fotograf hat es GESEHEN und aus der Überraschung heraus, aus dem Moment dessen, ein Bild daraus gemacht. Möglicherweise noch nicht im Bewusstsein dessen, dass es nachwirken könnte. Aber sicherlich schon in der Überzeugung, dass es gut sein würde.
Es ist wichtig zu erwähnen, dass mir erst mit jedem weiteren Betrachten der Bilddetails die zufällig entstandene Tiefe dieses Fotos bewusst wurde…zumindest in meinem Empfinden.
Nun…was ist zu sehen?! Das Bild definiert sich aus meiner Sicht aus verschiedenen „Teilen“. Zum einen durch die 3 deutlich sichtbaren Motive. Eine geschlossene Zeitschrift, dessen Name im Bild sichtbar ist. Diese nimmt den Großteil des Bildes ein. Darauf liegt eine Brille mit aufgeschlagenen Brillenflügeln, die im oberen Teil des Bildes eine ruhende und entspannte Position einnimmt. Das dritte wesentliche Motiv ist das weiße Papiertaschentuch, welches sich vor allem farblich kontrastreich vom den anderen Bildelementen abhebt.
Die Anordnung erscheint mir wirklich spontan gut gelungen und eingefangen. Und es rührt dennoch eine Spannung beim näherem und längeren Betrachten, weil es einerseits relaxt erscheint und dann wieder ein Spannungsfeld inkludiert, verursacht durch den zufälligen Aufbau im Bild! Nichts ist bewusst arrangiert, und das schenkt dem ganzen noch eine zusätzliche Genussnote mit Woweffekt! Der Fotograf hat es lediglich einem passendem natürlich erscheinendem Farbfilter unterzogen and that’s it! Aber was nun? Was ist damit? Da ist diese Zeitschrift, diese Brille, dieses Taschentuch UND der rote Klecks darauf. Und alles versteht sich blendend zusammen! Ein zuckersüsser oder gar schmerzlich schöner Zufall?!
Die Stimmung des Bildes ist gerahmt durch die neutrale leicht kühle Farbtemperatur des Filters…etwas gesättigt, dennoch nicht hart, etwas dunkel, nicht all zuviel Kontrast, keinerlei Aufdringlichkeit. Ich mag das Grün des Zeitschriftenrandes, vor allem aber auch, weil es den sogenannten Bildrahmen ein wenig sprengt nicht gleichförmig dazu angeordnet ist und dadurch visuelle Spannung bei mir erzeugt! Ich mag es, Formen im Bild zu erkennen, herauszupuzzeln, die geometrische Kontraste setzen. Alles ist hier da und steht zueinander in perfekter Kombination.
Es sind zum einen stille Dinge zu sehen, Dinge die benutzt werden, gebraucht, die modische coole Brille um gut zu sehen (dessen Optik auch über den guten Geschmack des Trägers etwas verrät), die Zeitschrift Namens Revue-Magazine for the Next Society, ein gewichtiges deutsches Gesellschaftsmagazin, welches Wissen verschafft. Und ein weißes Taschentuch, dessen Gebrauch allgegenwärtig ist! Der rote Farbklecks gibt dem Bild rein visuell einen tollen Mittelpunkt! Die Farbe Rot kehrt nirgends im Bild noch einmal auf, diese Unruhe lässt mein Auge immer wieder darauf zurückfallen. Dies sind Tatsachen, aber geben dem Bild allein in diesem Maß keinerlei Bedeutung, so wie ich sie empfinde. Es ist ist mehr zusehen! Emotion! Zufälle? Verbindungen! Das Titelbild der Zeitschrift…eine schlanke Frau, in Schwarzweiß abgelichtet, liegend in einer schlammigen Flüssigkeit, verschmiert, leicht und sündig gekleidet! Was sofort ins Gewicht fällt…ihr verzerrter Gesichtsausdruck. Zuerst war ich der Meinung, dass es nach gequältem Schmerz aussieht, später hatte ich die Idee, dass es auch Lust und ein pures Glücksgefühl sein könnte, was sich in ihrem Gesicht nach außen zeigt! Es ist schön, jede mögliche Emotion in Erwägung zu ziehen. So könnte sie voller Blut gequält und erniedrigt oder glücklich und losgelöst im dargestellt sein. Dies unterliegt dem Auge des Betrachters.
Ich rücke einem sehr wesentlichen Fakt und Kennzeichen im Bild immer näher, das dem ganzen erst richtige Bedeutung beimisst! Der rote Farbklecks auf dem Taschentuch! Es ist wohl wissend kein Farbklecks, sondern frisches Blut und noch dazu trägt dieser Blutfleck unverkennbar die Form eines Herzens! What the hell!!! Wie kann sowas „passieren“ und was für ein Zufall! Aber das ist es wohl nach Aussage des Fotographen tatsächlich und es platziert sich ganz säuberlich und gleichmäßig. Ich habe so etwas noch nie gesehen und es verleiht diesem Bild zum einen einen frischen Farbtupfer und zum anderen eine Verbindung. Es verbinden sich in meinen Augen Elemente und erzeugen auch Gedanken zur Tiefsinnigkeit und über das Erleben des „Erzeugers“. Was hat ihn dazu bewegt, dieses Bild zu machen. Hat er sich darüber gefreut? Er hat womöglich nicht schlecht geschaut…sondern seeehr gut! Ein kleines zartes Herz, eine zarte Frau…die sehr lebendig wirkt, Bewegung ist zu spüren! Atmen, Sprühen, Pochen, Schmerz oder Lust! Alles lebendige Dinge! Mit einem Herz verbinde ich Dinge und Gegebenheiten oder Zustände, die ich mag, die mich rühren. Dies kann sowohl positiv als auch negativ sein. Es gibt immer unterschiedliche Empfindungen. Genau wie beim Betrachten dieser Frau, ja letztlich des gesamten Bildes. Mit Leib und Seele und vor allem wach regt sie sich und es ist nicht sicher ob schmerzlich angestrengt oder lustvoll fröhlich. Um die Brille mit einzubeziehen, könnte sie mir bei Benutzen ein näheres klareres Bild verschaffen. In jedem Fall ist es LEBENdig. Ohne Herz könnten wir nicht leben. Es pumpt regelmäßig Blut durch unseren Körper und versorgt unsere Organe…hält uns am Leben solange es schlägt! Dies ist ein Sichtweise.
Zum anderen liegt das Taschentuch mit diesem Blutherz darauf sehr dicht neben dieser Frau! Als sei es ihrs! Und wie von allein hat es mich herzlich attackiert. Nach außen sichtbar gemacht. Als läge etwas in der Luft, was sie mir als Betrachter sagen will!
Ich mag ihren Ausdruck, die extrovertierte Note ihres Wesens. Nicht gewöhnlich, sondern rein und echt! Und möglicherweise hat der Fotograf ähnlich empfunden und wie zufällig muss es nicht einmal benannt oder erklärt werden, den es erklärt sich von selbst anhand dessen was „passiert“ ist, was sich auf dem Taschentuch natürlich breit macht. Und das betrifft nicht nur das Titelbild, sondern es kann genauso gut die Zeitschrift an sich betreffen, dessen Inhalt, den er mag. Ja auch seine Brille, die er wohl geschmackvoll ausgewählt hat und letztlich das Ensemble wie sich dieses Bild zusammensetzt! Es wird womöglich eine Bedeutung für ihn haben, sonst wäre kein Bild daraus entstanden. Und ich mag das Wissen, dass sich Menschen über Details erfreuen, sich Gedanken darüber machen. Dies sind HERZliche und natürliche Vorgänge…mal mehr mal weniger ausgeprägt. Aber geben uns etwas mit. Es mag ein lustiger Zufall sein aber vor allem bedarf es Herz und Tiefe zu SEHEN, was zu sehen ist und darin etwas begreifen, anregen ohne danach zu gieren! Danke…das ist eine natürliche Kunst…I call it HEARTATTACK!

Der Autor

Systemisches - Denken - Wirtschaften

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