aufstehen – DIE SAMMLUNGSBEWEGUNG

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Gesellschaft / Medien / Politik

Es klingt ein wenig nach einem Aufruf der früheren SERO-Annahmestellen (meine mit mir gleichalterigen  ostdeutschen Leser wissen, was ich meine). Steht auf und sammelt Sekundärrohstoffe!

Vielleicht ist es aber gar nicht so weit hergeholt mit den „Sekundärrohstoffen“. Schließlich geht es darum, Menschen zu aktivieren, die sich in ihrer (selbstgewählten) „Erstverwendung“ nicht mehr wohlfühlen. Politiker aller Richtungen sind angesprochen, sich dieser Sammlungsbewegung anzuschließen, wenn Sie sich durch ihre eigenen Parteien vielleicht nicht mehr so ganz vertreten fühlen. Und das gleiche gilt natürlich auch für Menschen, also Nicht-Politiker, denen die heutigen Parteien aus unterschiedlichen Gründen keine ausreichenden Perspektiven bieten.

Achso, ich habe noch gar nicht für die bis jetzt Ahnungslosen gesagt, worum es geht. Die allseits bekannte Sahra Wagenknecht von den Linken, und sicher auch ein wenig im Hinterggrund dabei ihr Anvertrauter, haben eine neue Bewegung ins Leben gerufen. Was die will, habe ich oben ja schon angedeutet. Am besten jeder schaut sich das auf der entsprechenden Website (https://www.aufstehen.de) selber an. Grob gesagt möchte sie eine Bewegung entstehen lassen, die sich für soziale Themen und auch entsprechend Benachteiligte einsetzt, kapitalistische Auswüchse in Großkonzernen unter Kontrolle bringt und Folgen hemmungsloser Globalisierung zu heilen bzw. diese evt. sogar zu verhindern versucht. Das ist zumindest meine Interpretation davon. Das von Wagenknecht in letzter Zeit arg strapazierte Flüchtlingsthema hat sie, zumindest momentan nicht für mich sichtbar, erstmal ausgespart.

Ich muss ganz ehrlich sein, ich finde eine solche Bewegung gut. Bei den letzten Koalitionsverhandlungen konnte man sehen, wie sehr jede der großen Volksparteien (die zwar noch so heißen, es aber eigentlich nicht mehr sind) in ihren von ihnen selbst gesetzten Grenzen und Rahmen gefangen sind, wie sie Angst haben, sich in neue Richtungen zu bewegen, wie innere Kräfte dies nicht zulassen. Und mir stellt sich die Frage, welche dieser Parteien die aktuellen und zukünftig sich noch verschärfenden Herausforderungen wie Globalisierung, Digitalisierung, wachsende Einkommensunterschiede, Immigration und Flüchtlingsbewegungen lösen könnte. Und dass das ein wachsender Teil der Bevölkerung ähnlich sieht, zeigt die zersplitterte Wahlergebnis-Situation, die Hinwendung zur AfD (die sicher die letzten sind, denen eine Lösung der Themen zugetraut werden kann) und spürbare und wachsende Unzufriedenheit breiter Bevölkerungsschichten. Die Sehnsucht der Menschen nach neuen Bewegungen und politischen (Lösungs-) Strömungen scheint ja in ganz Europa oder sogar weltweit groß zu sein (siehe Macron oder in den Anfängen Martin Schulz). Und um nicht Menschen wie Trump, Putin, May, Le Pen, Gauland und ähnlichen das Feld zu überlassen, braucht es neue Ideen und Vertreter für die Menschen, die sich heute unwürdig behandelt fühlen, die einfach auf der Strecke bleiben, die keine Idee haben, wie sie mit den o.a. Herausforderungen in den nächsten Jahren klar kommen sollen. Sie finden momentan keine Antwort dafür. Und so scheinen die rechten Treiber mit ihrer Verhinderungs- und Blockadepolitik für diese Leute die einzige Alternative zu sein. Dann scheinbar lieber keine Veränderungen als solche. Auch wenn das natürlich nichts von alledem aufhalten wird. Es wird trotzdem kommen, man ist dann nur noch weniger darauf vorbereitet.

Und nun will das Sahra Wagenknecht also ändern. Das ist für mich die andere, etwas schwierige Seite der Medaille. Warum auch immer, ich kaufte ihr noch nie ihren Job bei den Linken ab. Dafür ist sie mir einfach nicht authentisch genug. Einfach zu schick, zu wohlhabend, zu offensichtlich klug (mit Betonung auf offensichtlich) und m.M. auch ihrer Partei gegenüber zu illoyal. Zu oft habe ich den Eindruck, dass es ihr zu sehr um sich geht. Also ist meine Hoffnung, dass schon gelingt, eine solche Bewegung zu etablieren, um des Erfolges Willen zumindest aber auch noch mit anderen Menschen an der Spitze.

Der Autor

Systemisches - Denken - Wirtschaften

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