#article_ EISENHANS von Robert Bly

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Gesellschaft / Literatur

Heute geht es um ein Märchen. Ja richtig, ein Märchen.

Zugegeben allerdings nur um ein Buch, welches von einem Märchen handelt. Oder besser vielleicht, ein Buch, in welchem ein Märchen behandelt wird. Oder so!

Man merkt an meinen Anfangszeilen, dass es wohl nicht so ein „normales“ Buch, kein Roman ist. Und es wird noch besser. In diesem Buch geht es um die Mannwerdung. Also für mich zumindest ein eher ungewöhnliches Thema. Weniger aus meiner Biografie heraus (da ich ja einer bin), sonder eher in literarischer und psychologischer Hinsicht. Damit habe ich mich bisher noch nicht tiergehender beschäftigt. Ein Versäumnis, wie ich beim Lesen des Buches feststellen musste.

Also Bly erklärt die Entwicklung eines Jungen hin zu einem Mann anhand des alten Grimmschen Märchens vom „Eisenhans„. Zugegeben kein Märchen, welches ich aus meiner Kindheit kenne. Es ist mir hier zum ersten Mal begegnet. Und so im Nachhinein muss ich sagen, dass ich es als Kind vielleicht auch etwas seltsam gefunden hätte. Wobei das natürlich auch damit zu tun haben kann, dass ich grad über 300 Seiten gelesen habe, in denen dieses Märchen mehr oder weniger Zeile für Zeile von Bly „durchanalysiert“ wurde. Und dies tut er mit fast ausschließlichem Fokus auf den Mann als solchen und dessen Entwicklung. Bly ist amerikanischer Schriftsteller und ein Protagonist der frühen Männerbewegung (Wiki und seine Homepage).

Empfohlen hat mir das Buch Gunther Schmidt im Rahmen meiner aktuell laufenden Ausbildung zum hypnosystemischen Coach am „Meihei“ in Heidelberg. Ich bin wirklich dankbar für den Tipp! (Also richtigerweise hat er es der ganzen Kursgruppe empfohlen. Nicht dass hier falsche Vermutungen aufkommen.)

Denn in dem Buch erklärt Bly in wirklich allen Facetten, was bei der Entwicklung von Jungs zu Jugendlichen und Männern tatsächlich alles passiert. Und es wird auch deutlich, was Jungs brauchen, was eine „gute“ Entwicklung ausmacht und was in den heutigen Zeit im Vergleich zu früher vielleicht auch fehlt. Und mit früher ist hier gemeint, wie eine solche Entwicklung vielleicht vor 100, 500 oder mehr Jahren ablief.

Dies alles schreibt Bly über große Strecken sehr anschaulich in guten Bildern (was durch den Märchenbezug an sich ja schon gegeben ist) und verständlicher Sprache. Manchmal ist es mir, insbesondere im Mittelteil des Buches, etwas zu langatmig geraten. Die gleichen Infos hätten sicher auch in 50 Seiten weniger gebracht werden können. Aber insgesamt tut dies dem Erkenntnisgewinn durch das Buch keinen Abbruch.

Ich hatte viele erhellende Aha-Effekte und vieles regt zum Nachdenken an. Zum Nachdenken über die eigene Entwicklung, die Rolle als Sohn, als Junge, aber genauso natürlich auch als Vater. Darüber welche Phasen dieser Mannwerdung man tatsächlich auch durchlaufen hat, wie diese sich angefühlt haben und ob man sie auch tatsächlich noch bewusst nachvollziehen kann. Eine schöne oder manchmal vielleicht auch nicht so schöne Reise also in die Vergangenheit.

Dementsprechend sei das Buch wirklich jedem Mann ans Herz gelegt, dem daran gelegen ist, etwas Licht in das manchmal eventuell vorhandene Dunkel der eigenen Entwicklung zu bringen. Gleichzeitig kann es einem in seiner Rolle als Vater auch helfen die Entwicklung der eigenen Söhne etwas besser zu verstehen. Aber natürlich gilt dies auch für unbedingt für die Mütter von diesen Söhnen. Vieles wird nach dem Lesen vielleicht auch für Mütter klarer und lässt das Verständnis für manch seltsame Chemie zwischen Vätern und Söhnen verstehbar(er) werden.

Und was ein besonders schöner Nebeneffekt dieses Buches ist: Ab jetzt wird man kein Märchen mehr „einfach so“ lesen und denken, was für eine nette Geschichte. Märchen sind scheinbar echte Menschengeschichte!

 

Der Autor

Systemisches – Denken – Wirtschaften

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