Vicky Christina Barcelona und die Freiheit der Entscheidung!

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Film / Gesellschaft

Zugegeben, ich bin spät dran. Der Film von Woody Allen war schon 2008 im Kino und ich wollte ihn eigentlich zu diesem Zeitpunkt schauen. Aus welchen fadenscheinigen Gründen auch immer es nicht geklappt hat, ich konnte ihn jetzt im TV sehen.

3 unglaublich gut aussehende Frauen (Scarlett Johansson, Rebecca Hall, Penélope Cruz), jede davon wohl einige Sünden wert und ein angeblich (gewisse Frauen sagen das) auch gut aussehender Mann (Javier Bardem) durchleben in Barcelona und Oviedo einen schön anzuschauenden Liebesreigen und haben wie in Allen-Filmen üblich oft auch kluge Dinge zu sagen. Jedem, der diesen Film noch nicht gesehen hat, kann ich wirklich empfehlen, sich ihn anzuschauen und 96 kurzweilige Minuten lächelnd zu erleben.

Neben der locker-leichten Art des Films ist mir eins vor allem im Kopf geblieben. Scarlett Johansson hat als die Film-Christina einmal gesagt, dass sie nicht wüsste, was sie will. Jedoch könnte sie immerhin genau sagen, was sie nicht wolle. Und dieses Thema zieht sich bei ihr auch den Film hindurch und nicht nur bei ihr hat man das Gefühl, dass dieses Problem, nicht zu wissen, was man will, ein relevantes und eklatantes ist. Die anderen Figuren zeigen durch ihr Handeln, zumindest in meinem Empfinden, ähnliche Mangelerscheinungen. Auszunehmen davon ist eventuell die Figur des Mannes. Bei ihm merkt man schon, dass er weiß, was er will. Allerdings ist es so, dass er so ziemlich alles will, zumindest in Bezug auf die 3 hübschen Damen.

Nun scheint mir dieses Problem Christinas (ich weiß, was ich nicht will – aber nicht, was ich will) eher ein moderneres zu sein. Wenn wir, sagen wir mal, einige Jahre zurück gehen, so 100 oder mehr und für die neuen Bundesländer reichen vermutlich schon 22, kann ich mir gut vorstellen, dass sich diese Frage für die meisten Menschen in Deutschland gar nicht stellte. Viele Dinge waren bereits durch die Geburt (oder die Staatsangehörigkeit) in großem Umfang vorbestimmt und man fragte sich nicht, was man denn nun mit diesem Leben anfangen will. Oft bestimmte ja schon allein der Gedanke das Sein, wie bekomme ich für mich bzw. meine Familie genügend Essen und wie sichere ich das Überleben aller. Alle weiteren Dinge ergaben sich daraus (in vielen Ecken der Welt ja auch heute leider immer noch). Und auch zu DDR-Zeiten waren die Fragen nicht so weit von diesen elementaren Dingen entfernt. Sicher ging es nicht (zumindest für die meisten) ums nackte Überleben. Aber doch des öfteren musste man schauen, was besorge ich mir wo, über wen und was habe ich anzubieten, um dies zu bekommen. Auch damit verbrachte man viel Zeit seines Lebens.

Und heute?! Viele Menschen in Deutschland haben doch einen relativ hohen und abgesicherten sozialen Standard. Natürlich haben wir all‘ die Themen wie Hartz IV, Kinderarmut, soziale Brennpunkte etc. in unserem Land. Aber zumindest das Überleben ist doch gesichert. Und nun stehen wir da und fragen uns, was wir mit dieser vielen, neu gewonnenen Zeit anfangen. Wir haben die Freiheit zu entscheiden, was wir tun wollen. Und plötzlich merken wir, dass wir ja gar nicht wissen, was wir eigentlich wollen. Mussten wir ja auch früher nicht. Heute überlegen wir, wähle ich diesen oder jenen Beruf, studiere ich BWL oder Japanologie, nutze ich Facebook oder Google+.  Alles neue Fragen, so unendlich viele Möglichkeiten und keiner sagt uns, was richtig ist (und selbst wenn, dann glauben wir es sowieso nicht).

Vielleicht ist ja der erste logische Schritt, zumindest schonmal zu sagen, was man nicht will. Das ist dann quasi das Ausschlussverfahren. Das blöde daran ist, dass es heute so viele Möglichkeiten gibt, dass man im schlechtesten Fall sehr viel Zeit braucht, alles auszuschließen, was man nicht will und darüber das Leben zu Ende geht.

Wohl oder übel ist man wohl gezwungen, doch einfach im Sinne einer Lösungsfokussierung sich darüber Gedanken zu machen, was man denn nun von alledem, was sich einem an Möglichkeiten bietet, will. Und dann versucht man es. Natürlich ist auch dann nicht die Gefahr gebannt, dass man am Ende des Lebens vielleicht feststellt – das war genau das, was ich nicht wollte. Aber immerhin, es war ein Versuch.

Und damit war es dann vielleicht doch mehr, als das was die beiden Heldinnen im Film am Ende hatten. Zwar wussten sie nun einmal mehr, was sie nicht wollten. Aber es war, und für mich damit die traurigste Stelle im Film am Ende, perspektivlos!

P.S.: Eben als ich den Artikel beende, kommt die sehr traurige Meldung, dass Amy Winehouse tot ist. Vielleicht ging es ihr ähnlich?!

Der Autor

Systemisches – Denken – Wirtschaften

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