Was wissen wir woher oder warum müssen Kinder lernen?

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Gesellschaft

Vor kurzem war ich wieder einmal in einer größeren Stadt Deutschlands unterwegs und während ich mein wohlverdientes Abendessen (in Ruhe) einnehmen wollte, wurde ich in einem Bistro ungewollt Zeuge einer Diskussion einer Dreier-Gruppe von Menschen nicht mehr ganz jungen aber auch noch nicht älteren Alters – so Mitte 30 vielleicht. Alle drei schienen halbwegs gut gebildet gewesen zu sein und somit nicht dem sogenannten Prekariat, weder in geistiger noch finanzieller Hinsicht, zugehörig.

Es ging um irgendein historisches Ereignis, welches ich gar nicht mehr genau in Erinnerung habe. Für die Sache ist dies jedoch irrelevant. Jedoch fiel mir während des Gespräches der drei Personen auf, dass jegliche Argumentation hinsichtlich der Schilderung des historischen Ereignisses von den verschiedenen Seiten ausschließlich auf Wissen beruhte, welches aus Wikipedia bzw. unterschiedlichen blogs stammte. Dass ich das erkannte, lag nicht daran, dass ich Wikipedia bzw. alle blogs auswendig kenne, sondern dies wurde explizit von den Argumentierern als Quelle ihres Wissens angegeben (eigene Erfahrungen konnten nicht eingebracht werden, da alle Beteiligten offensichtlich nicht bei dem Ereignis dabei gewesen sein konnten – zumindest nicht in ihrem momentanen Leben). Ich fand das erstaunlich. Zum einen deswegen, weil die Erkenntnisse aus diesen Quellen von den jeweiligen Zuhörern auch widerspruchslos als Fakten anerkannt wurden. Zum anderen wurden von niemandem weder Geschichtsbücher als Quellen benannt wie auch nicht eventuell aus der Familie stammende ältere Zeitzeugen, die durchaus als Großeltern dabei gewesen sein konnten. Nein, alles lief sozusagen darauf hinaus, dass derjenige die Oberhand in der Diskussion erhielt, der die vermeintlich besten Informationen aus den Online-Medien bezog.

Nun ist dies nur ein exemplarisches Erlebnis, was jedoch in gleicher oder ähnlicher Form mittlerweile häufiger vorkommt (zumindest in meinem Erleben) und auch ich natürlich durchaus diese Medien zur Informationsbeschaffung nutze. Allerdings habe ich jedes Mal dabei auch ein ungutes Gefühl, da ich nicht weiß, wer denn nun diese Informationen ins Netz gestellt hat und ob dieser Jemand und wenn ja warum dieser Jemand nun auch noch die Wahrheit über den Sachverhalt kennt.

Nun könnte man sagen, warum sollte ich jemandem, der ein blog betreibt bzw. Einträge in Wikipedia vornimmt, weniger glauben als jemandem, der ein Buch schreibt?! Dabei ertappe ich mich, dass ich doch dem althergebrachten Buch mehr vertraue und der Meinung bin, dass die Hürden für die Veröffentlichung eines Buches höher liegen als für das Schreiben eines Artikels im Netz (was ja auch für mich gilt). Und dies lässt mich zu dem Schluss kommen, dass diese Hürden (bzw. das Überwinden dieser) auch ein Qualitätsmerkmal sein könnten. Doch vermutlich ist das Unsinn.

Zusätzlich frage ich mich, wie soll zukünftig das Lernen unserer Kinder gestaltet werden?In Zeiten wo alles Wissen (richtig oder falsch) im Netz ohne Zeitverzug auffindbar ist, wo ich Texte über Google Translator in fast jede Sprache dieser Welt hin- und her übersetzen kann, ist doch nicht die Lösung, den Kindern den Zugang zu diesen Medien während des Unterrichtes zu verwehren. Spätestens in der Pause auf dem Mobiltelefon (oder natürlich auf diesem während des Unterrichts unter der Schulbank) ist Verfügbarkeit des Wissens garantiert.

Vielleicht könnte ja ein Weg für zukünftiges Lernen unserer Kinder sein, sich kritisch mit dem verfügbaren Wissen auseinanderzusetzen und Wege zu finden und zu lernen, bestimmtes Wissen selber zu erfahren und damit zu bestätigen (oder eben auch nicht).

Wenn (fast) alles Wissen zu jeder Zeit und überall verfügbar wird, macht es doch nicht wirklich Sinn, dieses Wissen nun auch noch auswendig zu lernen und damit kostbare Zeit zu verschwenden.

Im Verlauf dieses Beitrages ist mir aufgefallen, dass mich meine Ursprungsbeobachtung in diesem Bistro immer weniger interessierte und mich die Frage der Gestaltung des Lernens dafür umso mehr fesselte. Vielleicht war noch nie relevant, woher ich mein Wissen bekam und ob es richtig oder falsch war. Vielleicht war schon immer der Umgang damit entscheidend. Und vielleicht fällt mir das heute nur deswegen auf, da durch die Wiki & Co der Blick auf das Wesentliche (Umgang mit Wissen!) geschärft wird, exponentiell.

Der Autor

Systemisches – Denken – Wirtschaften

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