Der Tod und die (politischen) Konsequenzen

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Gesellschaft / Politik

2010-07-29

„Ich dachte eigentlich nicht, dass ich was zu den schlimmen Ereignissen in Duisburg schreiben werde. Zu viel kursiert im Netz darüber – Dinge stehen da, die ich genauso empfinde, aber natürlich auch gegenteiliges. Was soll man dem noch hinzufügen?!

Zwei Dinge haben mich nun doch dazu bewogen. Zum einen ist eine ehemalige Schulfreundin meiner Tochter im Alter von 11 Jahren Anfang dieser Woche gestorben, einfach so. Beide Ereignisse, so fern und so nah sie sind, ließen mich intensiver über das Sterben nachdenken. Wie und wobei es einen oder auch nahe Bekannte und Familienangehörige ereilen kann, unfassbar im eigentlichen Sinne des Wortes. Und jedes Mal muss ich erkennen, dass es für mich keine andere Art des Damit-Umgehens gibt als die Verdrängung. Das Nachdenken darüber macht es immer schlimmer und manchmal beneide ich diejenigen, die aus welchen Gründen und Glaubensgebilden auch immer, einen Trost in einem „Danach“ finden.

Zum anderen musste ich nun doch etwas schreiben, weil ich das Verhalten dieses Duisburger Oberbürgermeisters mindestens unverständlich und persönlich auch unerträglich finde, sollte all das zutreffen, was in durchaus seriösen Medien zu lesen ist. Es scheinen sich ja die Fakten zu verdichten, dass die Stadt, und damit auch der Bürgermeister, eine gewisse Verantwortung für das tragen, was da passiert ist. Sicher auch für diejenigen eine tragische Situation und so sie denn ein normales, menschliches Empfinden haben (was ich auch glaube!) sicher auch nur sehr schwer zu ertragen. Aber! Wenn dieser OB bzw. ihm zugeordnete Mitarbeiter oder Behörden auch nur teilweise durch Verfehlungen zu diesem Unglück beigetragen haben, so muss er doch nicht anders können, als seinen Hut zu nehmen. Wie sollte er sonst damit leben?!

Für mich stellt sich die Frage nach seinen Beweggründen, doch weiter an dieser (scheinbaren) Macht festzuhalten und sehr seltsame Gründe dafür vorzugeben (Bsp. von Aussagen des OB aus den Medien: „Schutz der Mitarbeiter vor medialen Attacken“, „Unterstützung bei der Aufklärung“). Verhandelt er erst noch, so wie der ehemalige BP-Chef letztens, über seine Abfindung und Pensionszahlungen? Fühlt er sich ungerecht behandelt? Fehlt ihm die Handlungsalternative? Oder ist auch er einfach nur vom Tod dieser vielen Menschen so betroffen und kann nur durch Verdrängung damit umgehen? Wenn es das wäre, dann könnte man es zumindest nachvollziehen, wenn auch schwer.

Was es auch ist – sicher wird er politisch die nächsten Tage nicht überleben. Und dieses Ergebnis hätte er doch auch schon früher haben können – dann allerdings selbstgesteuert und vielleicht mit dem Eindruck für Außenstehende, dass er und Politiker im Allgemeinen zu ihren oder auch den Fehlern ihrer Ämter und Behörden stehen.“

Der Autor

Systemisches - Denken - Wirtschaften

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